Warum brauchen wir Gebärdensprachdolmetscher?

Hörgeschädigte benötigen Gebärdendolmetscher in den Medien, um Untertitel zu ergänzen oder zu ersetzen. Gerade bei Diskussionsrunden, sei es in Politik, Unterhaltung oder Sport, wären Einblendungen von Gebärdensprachdolmetschern von großem Vorteil für Hörgeschädigte, damit der Inhalt dieser Diskussionen ganzheitlicher verstanden werden kann.

Hier darf nicht vergessen werden, dass jeder Bürger ein Recht auf Information hat und die Folge davon, „nicht mitreden zu können“ gesellschaftliche Isolation ist.

Doch im deutschen Fernsehen ist Einblendung von Gebärdensprachdolmetschern leider immer noch eine absolute Ausnahme.

Insbesondere Gehörlose, die aufgrund ihrer geringen Lesekompetenz den Inhalt von untertitelten Nachrichten nicht verstehen können, sind auf eine Gebärdensprach-Einblendung angewiesen. Sie stellt für diese Menschen das „Fenster zur Welt“ dar. Können sie wegen fehlender Dolmetscher-Einblendung das Zeitgeschehen nicht verfolgen und sich eine eigene Meinung bilden, hat dies fatale Folgen für die politische Bildung und politischen Entscheidungsprozesse (z. B. bei Wahlen).

Eine weitere Gruppe verdient ebenso ein besonderes Augenmerk beim Bedarf an Gebärdensprachdolmetschern: hörgeschädigte Kinder im Vorschulalter. Da diese noch gar nicht lesen können, ist eine Untertitelung von Kinderfilmen und -sendungen nicht von Nutzen. Die Gebärdensprachdolmetscher-Einblendung würde diesen Kindern einen barrierefreien Zugang zum Medium Film ermöglichen.

Barrierefreiheit bezieht sich also nicht nur auf Rampen statt Treppen und absenkbare Busse. Denn Barrieren können auch in der Kommunikation zwischen Menschen entstehen! Neben der Zugänglichkeit zu öffentlichen Gebäuden und Plätzen oder Formularen in leichter Sprache etc. gehören zwingend auch Gebärdensprachdolmetscher zur Umsetzung von Barrierefreiheit.

Die Untertitelung kann im Film- und Medienbereich laut einer Studie des Instituts für Deutsche Gebärdensprache an der Universität Hamburg von 2001, kein alleiniger Ersatz für Gebärdensprachdometscher-Einblendungen sein,

da die Bedürfnisse und Wünsche der Gruppe der Hörgeschädigten unterschiedlich sind: Bei Spielfilmen werden Untertitel klar bevorzugt, weil so der Blick auf die Bilder, die zur Erfassung des Inhalts wichtig sind, frei bleibt. Bei Nachrichtensendungen oder Unterhaltungsshows beispielsweise, wünschen sich die Betroffenen jedoch eher Gebärdensprachdolmetscher-Einblendungen.

In puncto Barrierefreiheit bleibt also noch viel zu tun. Bei der Untertitel-HG möchten wir mit unserer Arbeit einen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität hörgeschädigter Personen leisten.